War Rembrandt eine Marke?



Vom 8. Mai bis 9. August 2026 zeigt Schloss Wilhelmshöhe in Kassel die Sonderausstellung „Rembrandt 1632. Entstehung einer Marke“ Im Mittelpunkt steht das Jahr, in dem Rembrandt Leiden verließ, nach Amsterdam zog und begann, sich auf dem Kunstmarkt zu positionieren – mit Porträts, Netzwerken und einer unverwechselbaren Handschrift.

Mich stört der Begriff „Marke“ im Titel der Ausstellung. Nur darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Der Begriff „Marke“ ist zwar tatsächlich sehr alt, aber wir verstehen heute doch etwas grundlegend anderes darunter als im 17. Jahrhundert. Coca-Cola, McDonald's, Tesla oder Red Bull sind Marken: Massenprodukte, globale Vermarktung, komplizierte Rechtsverhältnisse, Imageproduktion. Bei Coca-Cola ist die Marke der Bauplan. Erst kommt das Image – Jugend, Freiheit, Weihnachten – und dann das „Produkt". Ist das bei Rembrandt wirklich so? Ist auch bei ihm zuerst die Marke ... und erst dann die Kunst? So mag es bei Jeff Koons sein, ist es bei Rembrandt ebenso?

Ich will diese Sichtweise nicht einfach komplett verneinen. Ich hab bei der Recherche entdeckt, dass Wissenschaftlerin Svetlana Alpers über diese Dinge geforscht hat – und die Perspektive zeigt also durchaus etwas, schätze ich. 

Dennoch stoße ich mich an dem Titel, wenn man so will, der Marke der Ausstellung. "Entstehung einer Marke" stellt etwas in den Vordergrund, was nicht die gesamte Dimension des Werks ist. Das finde ich einseitig: Die Markenperspektive lenkt den Blick auf den Warencharakter der Kunst und droht, die existenzielle Tiefe seines Werks hinter einer einzigen ökonomischen Kategorie verschwinden zu lassen. 

Rembrandt hat aber nicht bloß eine wiedererkennbare Marke erzeugt. Seine Figuren haben eine psychische Tiefe, die uns noch heute unmittelbar anspricht. Das hätte sich auch im Titel der Ausstellung zeigen müssen, finde ich. Vielleicht etwas, was die Spannung im Werk widerspiegelt.

Was ist mit dem Spätwerk? Ist es nicht eine ästhetische Widerlegung der Marken-Sichtweise? Raue Malerei, war das gut verkäuflich? Oder eher radikal ohne Zugeständnis an den Marktgeschmack. "Entstehung einer Marke" … blendet aber genau diese Spannung aus

Bild: Gemini